Hanbok anziehen, Gayageum spielen: Gugak wird zum Reiseziel
Ein Hanbok überstreifen, der Haegum zuhören und selbst einmal die Gayageum zupfen. Was früher nach Nischenprogramm klang, steht in Seoul inzwischen auf dem Plan vieler Touristen. Gugak, die traditionelle koreanische Musik, zieht immer mehr internationale Gäste an.
Der Zeitpunkt passt. Für 2026 wird erwartet, dass Korea erstmals mehr als 20 Millionen ausländische Besucher zählt. Im vergangenen Jahr waren es 18.936.562, ein Plus von 15,7 Prozent. Viele dieser Reisenden suchen inzwischen mehr als K-Pop und K-Dramen.
Ein kleines Haus in Insadong
In Insadong, dem Seouler Viertel für Kunsthandwerk und Teehäuser, gibt es eine feste Gugak-Bühne mit nur 20 Plätzen. Die Gäste ziehen zuerst ein traditionelles Gewand an, ein Gwanbok über dem Jeogori. Danach nehmen sie in einem Raum Platz, der an ein Hanok erinnert, und die Vorstellung beginnt.
Zwei Musiker wechseln sich ab. Das Programm reicht von Jeongak, der Hofmusik, die einst bei königlichen Banketten erklang, bis zum Gayageum Byeongchang, bei dem zur Gayageum gesungen wird. Die Musiker erklären Stücke und Instrumente. So hat die Haegum zwei Saiten aus Seide, zwischen denen der Bogen geführt wird. Am Ende dürfen die Zuschauer selbst die Gayageum ausprobieren.
Das Haus öffnete im Mai 2025 und hat sich per Mundpropaganda herumgesprochen. Heute finden bis zu drei Vorstellungen am Tag statt, mehr als 1.000 Aufführungen hat es bereits gegeben. Das Programm sei stark an den Wünschen des Publikums ausgerichtet worden, sagt die Gayageum-Spielerin Um Yu-jung. Dazu gehören englische Erklärungen.
Jeder dritte Gast kommt aus dem Ausland
Die bekannteste feste Gugak-Reihe ist die Samstagsaufführung im Nationalen Gugak-Zentrum in Seoul. Sie läuft seit 1986 jeden Samstag und dauert etwa 80 Minuten. Auf dem Programm stehen unter anderem Ritualmusik des Jongmyo-Schreins, Gagok, Pansori, Arirang und Ganggangsullae. Viele dieser Formen gehören zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe.
Das Zentrum erfasst die Herkunft seiner Besucher seit 2021 getrennt. Damals lag der Anteil ausländischer Zuschauer bei 8,9 Prozent. Ab 2022 stieg er auf 20 bis 30 Prozent, 2025 erreichte er mit 36,34 Prozent den bisher höchsten Wert. Von Januar bis Juli 2026 kamen 2.185 ausländische Gäste, das sind 33,2 Prozent aller Zuschauer.
Auch die Begleitangebote wachsen. Die Führungen im Gugak-Museum für Ausländer nutzten bis Juli 384 Teilnehmer. An Gugak-Workshops für Gruppen, etwa von Sprachschulen und Bildungseinrichtungen, nahmen 2026 bereits 2.359 Menschen teil. Im gesamten Vorjahr waren es 2.082. Das Zentrum will sein Angebot für ausländische Besucher weiter ausbauen.
Was einem deutschen Besucher gefiel
Wie das Publikum Gugak erlebt, zeigt auch der Eindruck eines Zuschauers aus Deutschland. Sein Favorit war das Jeongak-Gagok, ein Duett, das ein Mann und eine Frau gemeinsam singen. Eine Besucherin aus Italien lobte in Insadong vor allem die Nähe zur kleinen Bühne.
Wer selbst hinwill, kann sich an der Samstagsaufführung orientieren. Sie beginnt um 15 Uhr im Umyeondang-Theater des Zentrums im Stadtbezirk Seocho. Zugelassen sind Besucher ab acht Jahren, das Programm wechselt wöchentlich. Die Termine laufen noch bis zum 26. Dezember. Vom Bahnhof Nambu Bus Terminal Station an der Linie 3 sind es von Ausgang 5 etwa 20 Minuten zu Fuß.
Tradition als Reisemotiv
Gugak steht damit nicht allein. Auch die Paläste und Königsgräber Seouls ziehen mehr ausländische Gäste an. 2025 kamen dort 4,27 Millionen ausländische Besucher, etwa siebenmal so viele wie 2022. Von Januar bis April 2026 stieg ihre Zahl um 28 Prozent auf 1,41 Millionen.
Präsident Lee Jae Myung will bis 2030 insgesamt 30 Millionen Gäste im Jahr erreichen. Er kritisierte zugleich, dass sich 80 Prozent der ausländischen Touristen auf Seoul konzentrieren. Für Gugak spricht, dass sich das Angebot längst nicht mehr nur an Kenner richtet. Wer ein Konzert besucht, versteht mit Erklärungen und eigenem Ausprobieren schneller, worum es in dieser Musik geht.

