Gaecheonjeol am 3. Oktober erinnert an Koreas erste Staatsgründung
Korea begeht am 3. Oktober mit Gaecheonjeol einen seiner fünf Nationalfeiertage. Der Tag erinnert an die Gründung Gojoseons, des ersten koreanischen Königreichs der Überlieferung. In diesem Jahr findet die zentrale staatliche Feier am Samstag in Seoul statt. Rund 1.200 Gäste werden im Sejong Center for the Performing Arts erwartet.
Der koreanische Name Gaecheonjeol, auf Koreanisch 개천절, bedeutet wörtlich „Tag der Öffnung des Himmels“. Seine Bedeutung ist eng mit Dangun verbunden, dem legendären Gründer Gojoseons. Nach koreanischer Überlieferung soll Dangun das Königreich im Jahr 2333 vor Christus gegründet haben. Diese Erzählung gehört zu den bekanntesten Gründungsmythen Koreas und prägt die historische Symbolik des Feiertags bis heute.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Prinzip „Hongik Ingan“, auf Koreanisch 홍익인간. Der Ausdruck wird meist als Idee verstanden, der gesamten Menschheit Nutzen zu bringen. Das koreanische Innenministerium nennt dieses Prinzip ausdrücklich als Gründungsideal, an das Gaecheonjeol erinnern soll. Es verbindet die traditionelle Gründungserzählung mit einem gesellschaftlichen Ideal, das über die historische Legende hinausweist.
Auch die staatliche Feier 2026 stellt dieses Motiv in den Mittelpunkt. Sie steht unter dem Motto „널리 이롭게 대체불가 대한민국“, das an die Idee von Hongik Ingan anknüpft. Nach Angaben des Innenministeriums beginnt die Zeremonie am 3. Oktober um 10 Uhr. Neben Vertretern von Organisationen mit Bezug zu Dangun nehmen Diplomaten, Bürger und Schüler teil. Zum Programm gehören die Nationalhymne, eine Darstellung der Gründungstradition, kulturelle Darbietungen und das gemeinsame Singen des Gaecheonjeol-Liedes.
Die heutige Form des Feiertags entwickelte sich über einen längeren Zeitraum. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die koreanische Religionsgemeinschaft Daejonggyo, Gaecheonjeol regelmäßig zu feiern. Während der japanischen Kolonialherrschaft gewann der Tag zusätzliche Bedeutung für das koreanische Nationalbewusstsein. Auch die koreanische Provisorische Regierung in Shanghai beging Gaecheonjeol als nationalen Gedenktag.
Nach der Gründung der Republik Korea wurde der 3. Oktober gesetzlich als Nationalfeiertag festgelegt. Das entsprechende Gesetz wurde 1949 verabschiedet. Ursprünglich orientierte sich die Feier am dritten Tag des zehnten Monats im traditionellen Mondkalender. Seit 1949 wird Gaecheonjeol jedoch dauerhaft am 3. Oktober des gregorianischen Kalenders begangen.
Heute gehört Gaecheonjeol neben dem Unabhängigkeitstag, dem Verfassungstag, dem Tag der Befreiung und dem Hangeul-Tag zu Koreas fünf Nationalfeiertagen. Als solcher ist der 3. Oktober gesetzlich als Feiertag anerkannt. An Nationalfeiertagen wird außerdem landesweit die koreanische Flagge, die Taegeukgi, an öffentlichen Gebäuden und vielen privaten Häusern gezeigt.
2026 fällt Gaecheonjeol auf einen Samstag. Nach den geltenden koreanischen Feiertagsregeln wird deshalb der folgende Montag, der 5. Oktober, als Ersatzfeiertag behandelt. Damit reicht die praktische Bedeutung des diesjährigen Gaecheonjeol über den eigentlichen Gedenktag hinaus.
Für internationale Besucher bietet der Feiertag zugleich einen Einblick in Koreas Verständnis seiner eigenen Ursprünge. Gaecheonjeol erinnert nicht an ein historisch eindeutig dokumentiertes Gründungsdatum, sondern an eine überlieferte Ursprungserzählung. Gerade diese Verbindung von Mythologie, nationaler Erinnerung und modernem Feiertag erklärt seine besondere Stellung im koreanischen Kalender.

