Am 15. August steht Korea im Zeichen des Tags der Befreiung
Am 15. August 2026 begeht Korea den Gwangbokjeol, den Tag der nationalen Befreiung. In diesem Jahr markiert der Feiertag den 81. Jahrestag der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft im Jahr 1945. Gleichzeitig erinnert er an die Gründung der Regierung der Republik Korea im Jahr 1948. Der Name Gwangbokjeol bedeutet wörtlich „Tag der Rückkehr des Lichts“ und beschreibt damit das Ende von 35 Jahren Fremdherrschaft.
Weil der 15. August 2026 auf einen Samstag fällt, wird der folgende Montag als Ersatzfeiertag ausgewiesen. Für viele Menschen in Korea entsteht dadurch ein verlängertes Wochenende. Behörden und Ämter bleiben an beiden Tagen geschlossen. In Städten und Gemeinden im ganzen Land werden Zeremonien, Konzerte und Ausstellungen organisiert.
Zeremonie am Bosingak erinnert an die Vorfahren
Im Zentrum von Seoul findet am Feiertag selbst die traditionelle Glockenzeremonie am Bosingak-Pavillon in Jongno statt. Neun Nachfahren von Unabhängigkeitskämpfern läuten gemeinsam die Glocke, um an die Opfer der Widerstandsbewegung zu erinnern. Am Vormittag führt ein begleiteter Rundgang vom Tapgol-Park über die Seungdong-Kirche und die ehemalige Taehwagwan-Stätte bis zum Kim-Sang-ok-Gedenkort. Die Route folgt Orten, die eng mit der Unabhängigkeitsbewegung während der Kolonialzeit zusammenhängen, bevor die Gruppe gemeinsam zur Glockenzeremonie weiterzieht.

Bereits am 14. August öffnet der Unhyeongung-Palast sein Programm zum Gwangbokjeol. Besucherinnen und Besucher können dort einen traditionellen Holzdruck der Taegeukgi anfertigen und anschließend bemalen. Am Abend tritt die Gruppe Gukak Jeonja Yurangdan auf, die traditionelle koreanische Musik mit elektronischen Klängen verbindet. Am 16. August folgt im Sejong Center for the Performing Arts ein Konzert des Seoul Philharmonic Orchestra. Auf dem Programm steht Beethovens neunte Sinfonie, die Chorsinfonie, deren Schlusssatz die Ode an die Freude vertont.
Familien mit jüngeren Kindern finden im Baekje-Kindermuseum in Seoul ein eigenes Programm. Unter dem Titel „Unsere Blume, unser Land“ lernen Kinder dort die Bedeutung der Mugunghwa-Blüte und der Taegeukgi kennen und suchen die passenden Muster an historischen Ausstellungsstücken. Landesweit werden an diesem Tag zudem Taegeukgi-Flaggen an Häusern, Balkonen und öffentlichen Gebäuden bis zur Spitze des Fahnenmastes gehisst, wie es die offiziellen Vorgaben für nationale Feiertage vorsehen.

Nachfahren aus fünf Ländern reisen nach Korea
Das Ministerium für Patrioten- und Veteranenangelegenheiten lädt zum 81. Gwangbokjeol insgesamt 21 Nachfahren von Unabhängigkeitskämpfern aus den USA, China, Kasachstan, Kirgistan und Mexiko nach Korea ein. Das Programm trägt in diesem Jahr den Titel „Das schönste Land, das wir kennen“ und dauert vom 10. bis 16. August. Die Gäste besuchen unter anderem den Nationalfriedhof Seoul, das Gedenkmuseum der Provisorischen Regierung der Republik Korea und die Gedenkstätte des ehemaligen Gefängnisses Seodaemun.
Am Abend vor dem Feiertag nehmen die Gäste an einem Empfang des zuständigen Ministers teil, bevor sie am 15. August der Zeremonie in Seoul beiwohnen. Für viele von ihnen ist es die erste Reise nach Korea, obwohl ihre Familien seit Generationen mit der Geschichte des Landes verbunden sind. Das Ministerium begründet die Einladung damit, den Nachfahren die heutige Republik Korea zu zeigen, für deren Unabhängigkeit sich ihre Vorfahren eingesetzt haben.
Auch außerhalb Seouls wird gefeiert
Das Unabhängigkeitsmuseum in Cheonan, südlich von Seoul gelegen, veranstaltet am 15. August eine eigene Zeremonie unter dem Motto „Mein Wunsch, die Kultur des Friedens“. Das Museum gilt seit seiner Eröffnung 1987 als eine der zentralen Gedenkstätten zur Geschichte der Unabhängigkeitsbewegung. Es zieht besonders an diesem Tag zahlreiche Familien an, die gemeinsam die Ausstellungen und das umliegende Gelände besuchen.

Auch die Provinzen und Großstädte richten eigene Zeremonien aus. In Incheon findet am 15. August von 10 bis 11 Uhr im dortigen Kultur- und Kunstzentrum eine Feier mit rund 900 Gästen statt, darunter zahlreiche Nachfahren von Unabhängigkeitskämpfern. Auf dem Programm stehen eine offizielle Zeremonie, eine kulturelle Aufführung sowie Mitmachangebote für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Ähnliche Veranstaltungen finden in diesen Tagen in zahlreichen weiteren Städten und Bezirken statt, oft organisiert von den örtlichen Verwaltungen gemeinsam mit Veteranenverbänden.
In Deutschland wird ebenfalls gefeiert
Der Gwangbokjeol wird auch außerhalb Koreas begangen. Am 15. August verwandeln sich der Europaplatz und die Europahalle in Castrop-Rauxel von 10 bis 19 Uhr in einen Treffpunkt der koreanischen Gemeinschaft aus ganz Deutschland. Organisiert wird die offizielle Gedenkfeier zum 81. Jahrestag des koreanischen Befreiungstags vom Bundesverband der Koreaner in Deutschland e.V. gemeinsam mit dem Sportverband der Koreaner in Deutschland e.V.

Im Kulturprogramm tritt die K-MEGA-Oper aus Busan und der Kyungsung University mit einer Aufführung von Chunhyangjeon auf, der ersten in Korea geschaffenen Oper. Dazu kommen koreanische Volksspiele, ein Familienfest und eine Tombola mit Preisen, darunter Flugtickets. Für Kinder gibt es einen Malwettbewerb, außerdem einen Sondermarkt mit koreanischen Lebensmitteln und Snacks. Der Eintritt ist frei.
Ein dichtes Programm zum 81. Jahrestag
Vom Bosingak-Pavillon in Seoul bis zur Europahalle in Castrop-Rauxel ziehen sich die Gwangbokjeol-Feiern in diesem Jahr über mehrere Länder. Museen, Konzerthäuser und Gemeindezentren tragen mit eigenen Programmen zum 81. Jahrestag bei, von der Zeremonie mit Nachfahren aus fünf Ländern in Seoul bis zum Beethoven-Konzert im Sejong Center. Der 15. August bleibt damit ein Termin, der in Korea und in der koreanischen Gemeinschaft weltweit fest im Kalender verankert ist.

