60 Jahre Deutsch-Koreanische Gesellschaft in Bonn gefeiert
An ihrem historischen Gründungsort in Bonn feierte die Deutsch-Koreanische Gesellschaft ihr 60-jähriges Bestehen.
Die DKG wurde 1966 gegründet, um die Freundschaft und den Austausch zwischen Deutschland und Korea zu fördern, in Kultur, Bildung und Gesellschaft.
Die Gründung erfolgte auch vor dem Hintergrund, dass damals viele koreanische Krankenschwestern und Bergarbeiter nach Deutschland kamen und man ihnen Unterstützung und freundschaftlichen Kontakt bieten wollte.
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Korea haben sich seither von der frühen Entwicklungshilfe und dem Einsatz koreanischer Bergarbeiter und Krankenschwestern hin zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe gewandelt. Die DKG hat diese Entwicklung der deutsch-koreanischen Beziehungen maßgeblich begleitet und mitgeprägt.
Das Jubiläumsprogramm zeigte die Bandbreite des Vereins eindrucksvoll, mit traditionellem koreanischem Tanz, einer energiegeladenen K-Pop-Show, klassischer Kammermusik sowie Grußworten hochrangiger Gäste und einer bewegenden Podiumsdiskussion.
Die Botschaft der Republik Korea in Berlin unterstützte die Festveranstaltung im Namen der Republik Korea finanziell, und der Botschafter der Republik Korea, Sang Beom Lim, war persönlich vor Ort einer der wichtigsten Gäste des Nachmittags.
Knapp 200 Gäste trafen im LVR-Landesmuseum ein, um gemeinsam den Festakt zu feiern und ihre Verbundenheit zwischen Deutschland und Korea zu zeigen. Auch auffällig viele jüngere Leute waren dabei, ein Zeichen dafür, dass sich junge Menschen für Korea, die koreanische Kultur und die deutsch-koreanische Beziehung interessieren und dass die DKG ein moderner Verein ist.

Begrüßung, Festansprache und der Botschafter der Republik Korea
Der Nachmittag begann mit einem Grußwort des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Frank-Walter Steinmeier.

Er betonte, Einrichtungen wie die DKG würden direkte Begegnungen und Gespräche ermöglichen und dabei ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, das heute nötiger sei als je zuvor.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von DKG-Präsident und Botschafter a.D. Rolf Mafael. Die Festansprache hielt per Videobotschaft der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, der darin die koreanischen Krankenschwestern und Bergleute würdigte, die in den sechziger und siebziger Jahren nach Deutschland kamen und sich als Vorbild für gelungene Integration erwiesen.


Es folgten die Grußworte, per Video von Staatsminister im Auswärtigen Amt Florian Hahn, persönlich von Ehrenpräsident Hartmut Koschyk, vom scheidenden Botschafter der Republik Korea, Sang Beom Lim, von Heike Baehrens vom Deutsch-Koreanischen Forum sowie per Video von Young-Jin Kim, Präsident der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft.
Als der Botschafter an die Anfänge erinnerte
Botschafter Sang Beom Lim würdigte in seiner eigenen Rede die langjährige Arbeit der Gesellschaft für die deutsch-koreanischen Beziehungen. Er erinnerte an den Weg beider Länder seit der Vereinsgründung 1966, von einer Zeit wirtschaftlicher Not, als Koreas Pro-Kopf-Einkommen bei nur 130 Dollar lag, über das Anwerbeabkommen, das beiden Ländern über Jahre der Entbehrung hinweghalf und den Grundstein für Wohlstand in beiden Ländern legte, bis zum heutigen weltweiten Erfolg von K-Pop und K-Drama.
In der koreanischen Tradition wird der sechzigste Geburtstag Hwangap genannt, was den Abschluss eines Lebenszyklus markiert und mit einem Neuanfang verbunden ist; diesen Gedanken übertrug Lim auf die kommenden Jahrzehnte der Partnerschaft.

Moderator Reiner Schöler ergänzte die Reden um eine persönliche Note. Er erzählte, wie er nach seiner Heirat mit einer Koreanerin bei einem Koreabesuch im Karaoke einfache Kinderlieder lernte. Und wie unvorstellbar es ihm damals erschienen wäre, dass koreanische Musik einmal die ganze Welt erreichen und ein koreanischer Roman den Literaturnobelpreis gewinnen würde.
Koreanischer Tanz, K-Pop und zwei Projekte für die junge Generation
Es folgte die koreanische Tanzgruppe MUAK Berlin mit traditionellem koreanischem Tanz.
In aufwendigen, farbenprächtigen Gewändern führten die Tänzerinnen und Tänzer Choreografien auf, die jahrhundertealte koreanische Bewegungstraditionen lebendig werden ließen.

Im Anschluss präsentierte die DKG zwei ihrer Projekte. Building Bridges ist der Schüleraustausch der DKG. Jedes Jahr reisen deutsche Schülerinnen und Schüler nach Korea, während koreanische Jugendliche nach Deutschland kommen. Sie wohnen bei Gastfamilien, besuchen Schulen, entdecken den Alltag im jeweils anderen Land und bauen Freundschaften auf, die oft weit über den Austausch hinaus bestehen bleiben.
Bei der Dokhan-Seniorenbrücke der DKG NRW trifft die junge Generation die erste Generation der Koreanerinnen und Koreaner zu Hause oder im Altenheim und verbringt Zeit mit ihnen. Dabei erfahren die jungen Menschen viele interessante Dinge über Korea, darunter, warum und wie so viele Koreanerinnen und Koreaner vor sechzig Jahren nach Deutschland kamen. Sie lernen die Kultur besser kennen und können ihre Koreanischkenntnisse verbessern. Die älteren Menschen wiederum bekommen Ansprache und Abwechslung, etwa durch gemeinsame Aktivitäten.
Anschließend übernahm TownK Dance Studio NRW unter der Leitung von Jongmin Kim die Bühne für eine K-Pop-Darbietung, die für den energiegeladensten Moment des Nachmittags sorgte.

Drei Generationen zwischen Deutschland und Korea
Direkt im Anschluss folgte der bewegendste Programmpunkt, das Podiumsgespräch „Zwischen zwei Welten, unser Leben in Deutschland“.

Eingeführt wurde es vom Botschaftsleiter der Außenstelle Bonn, Chul-Hwan Byun, und dem Präsidenten des Dachverbands der Koreaner in Deutschland, Sung-Kyu Chung. Moderiert wurde es von Nina Lindenthal vom Verein Hando und Frank Hollmann von der DKG Bayern. Auf der Bühne saßen Paul Jeru Rhee, Kuenil Song, Juliana Gyeonga Baron, Vizepräsidentin der DKG, und Hyunjin Caspers.

Im Mittelpunkt standen drei Generationen koreanischstämmiger Menschen in Deutschland, die erste Generation, die in den Sechzigerjahren als Krankenschwestern und Bergleute aus Korea einwanderte, sowie die zweite und dritte Generation, deren Kinder und Enkelkinder, die bereits in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.
Klassische Musik und Arirang zum Abschied
Zum musikalischen Ausklang spielten junge Talente der Musikhochschule Köln aus der Klasse von Professorin Ye-Eun Choi, Seogyun Noh an der Violine, Hyemin Kim an der Bratsche und Anna Cho am Cello, die Serenade für Streichtrio op. 10 von Ernő Dohnányi.

Den Schlusspunkt setzte das Koreanische Regenbogenensemble Bonn unter der Leitung von Chorleiterin Yun-Jung Lee. Das Ensemble stimmte gemeinsam mit dem singenden Publikum das traditionelle Volkslied „Arirang“ an, das als bekanntestes koreanisches Lied gilt und oft als inoffizielle Nationalhymne Koreas bezeichnet wird. Ein Lied mit langer Geschichte, das gerade durch das gleichnamige BTS-Album Arirang auch bei K-Pop-Fans für neue Bekanntheit sorgt.
Sektempfang und Ausklang
Zum Abschluss lud die DKG zum Sektempfang im Foyer des LVR-Landesmuseums ein. Die Gäste nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit Mitgliedern der verschiedenen Regionalverbände. Sie nahmen auch die neu erschienene Festschrift „Geschichten aus 60 Jahren“ mit nach Hause. In dieser durfte ich als Autor einen persönlichen Beitrag über meinen eigenen Weg zu Korea und meine Arbeit als Honorary Reporter für Korea.net beisteuern.
Fazit
Die Feier in Bonn zeigte, wie sich eine sechzigjährige Vereinsgeschichte über mehrere Generationen tragen lässt, getragen von offiziellen Reden ebenso wie von authentischer koreanischer Kultur und den persönlichen Geschichten auf dem Podium.

